Warum drucken wir Anträge 2026 noch aus?

Weil wir es schon immer so gemacht haben.
OZG-Themenwoche – Part 3
Viele Anträge sind mittlerweile digitalisiert. Aber müssen dann doch wieder ausgedruckt und per Post versendet werden. Warum eigentlich? Die Schriftform ist schuld!
Einige Verwaltungsverfahren verlangen gesetzlich weiterhin die „Schriftform“ nach § 126 BGB – also eine eigenhändige Unterschrift. Eigentlich gut gedacht. Aber ist damit wirklich sichergestellt, dass die laut Antrag den Antrag-stellende Person auch wirklich davor sitzt? Unwahrscheinlich.
Unterschriften werden oftmals digital eingefügt – und das nicht einmal immer von der entsprechenden Person selbst. Trump versucht, Bidens Erlasse als unwirksam gelten zu lassen, da dieser angeblich einen Unterschriftenautomaten verwendet hat. Und hat jemand wirklich schon einmal eine Person in der Behörde erlebt, die die Unterschrift mit – ja, mit was? – dem Personalausweis vergleicht? Sicher ist heutzutage nur, dass auch die Herkunft der händischen Unterschrift unsicher ist.
Dabei ist der Gedanke ja keineswegs abwegig, bei bestimmten Verwaltungsleistungen sicherzustellen, dass nur dafür berechtigte Personen diesen Antrag stellen können. Heute könnte eine sichere, weit verbreitete digitale Identifizierung die händische Unterschrift ablösen, z. B. über den Personalausweis. Die Nutzungszahlen sind aber immer noch begrenzt.
Schwieriger wird es zudem, wenn es dabei nicht um die Privatperson, sondern um eine berufstätige Person geht, die diese Unterschrift also nicht für sich privat, sondern für das bzw. im Auftrag des Unternehmens tätigt, das sie dafür bezahlt. Der Blick nach Dänemark zeigt, dass es dafür Lösungen gibt. Das setzt aber auch die Bereitschaft voraus, den eigenen Personalausweis dafür zu nutzen. Neben dem privaten Perso könnte wie in Dänemark auch eine berufliche ID die Lösung sein. Doch auch das setzt voraus, dass Menschen dazu bereit sind – und Deutschland ist hier nach unserer Erfahrung eher reserviert als mutig.
Wäret Ihr bereit, mit Eurem privaten Personalausweis oder einer beruflichen ID im beruflichen Kontext zu unterschreiben oder würdet Ihr dann eher weiterhin zur händischen Unterschrift greifen?
Bild: Leon Seibert für Unsplash

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